Allgemein

3. Dezember 2020

Crys Tale of the Moon: Werwölfe – Teil 3

9 Monate zuvor – Oktober 2035

Head above Water von Avril Lavigne

Kapitel 1

Ich parkte das Auto nah am Haus. Es wurde schon dunkel und der Schneefall war inzwischen so dicht, dass ich kaum etwas sehen konnte. Ich hätte auf Noah hören und mit ihm schon im Frühling herkommen sollen. Doch ich war egoistisch, wollte noch einen letzten Sommer, bevor ich ihn für unbestimmte Zeit verlieren würde. Der Schnee hatte uns überrascht. Ich hatte nicht mehr viel Zeit, das Haus vorzubereiten und Noah herzuholen. Irgendwann würde die Zufahrtsstraße von jeglicher Zivilisation abgeschnitten sein. Nun ja. Menschlicher Zivilisation.

Ich war nur einmal hier gewesen vor so langer Zeit, dass es mir wie ein Traum vorkam. Ben hatte mir jedoch alles erklärt, wieder und wieder, damit ich nichts vergaß. Ich hatte gut zugehört, denn es würde unserem Sohn das Leben retten. Und dafür würde ich alles tun. Einfach alles. Sogar mich mit dem Alpha eines Werwolf-Rudels anlegen.

Es war kalt draußen, der Schnee knirschte unter meinen Füßen. Ich fand den Schlüssel unter einem markierten Stein und schloss die Tür des einsamen Hauses auf. Die nächsten Nachbarn waren mindestens zwei Kilometer entfernt. Das Grundstück lag nah am Wald, gerade noch im Gebiet des Rudels.

Drinnen war es genauso eiskalt wie draußen. Ich sah nach dem Schlüssel des Schuppens, damit ich den Generator in Gang bringen konnte. Der hing nicht an seinem Brett. Vielleicht sollte ich erstmal ein Feuer anzünden und mich aufwärmen. Suchend sah ich mich im Licht meiner Taschenlampe um. Wo waren die Holzscheite für den Kamin?

Also doch raus in die Kälte. Ich erinnerte mich an ein kleines Vordach auf der rechten Seite des Hauses. Darunter war damals jede Menge Holz gestapelt. Genug, um über den Winter zu kommen. Jetzt war da … nichts. Sch… Langsam wurde ich nervös. Im Dunkeln wollte ich nicht hier draußen sein. Aber ein Feuer brauchte ich, um nachts nicht zu erfrieren. Ich umrundete das Haus und fand einen in mehrere große Stücke zersägten Baumstamm und eine Axt. Ungläubig starrte ich darauf. Holz hacken stand nicht besonders weit oben auf meiner To-do-Liste. Ok, tief durchatmen. Dann der Generator. Mit Strom konnte ich mir wenigstens einen heißen Tee kochen. Vielleicht hatte Ben auch einen Heizstrahler im Haus.

Die Tür des Schuppens war offen. Der Generator sah gut gewartet und intakt aus. Ich entspannte mich etwas. Ben hatte einen Wartungsdienst engagiert und schon für Jahre im Voraus bezahlt. Es würde schon alles klappen. Ich versuchte den Generator laut Bens Anweisungen zu starten, doch es passierte nichts. Kein Tuckern, Röhren oder Quietschen. Oder was auch immer ein Generator für Geräusche machen würde. Ich kontrollierte alle Anzeigen und starrte letztendlich auf die Füllstandsanzeige für den Treibstoff: Leer. Die Kanister auf dem Boden daneben: Leer. Konnte das ein Zufall sein? Ich schüttelte mich aus meiner Starre. Keine Chance mich zu vertreiben. Ich machte mich auf den Weg zurück ins Haus und fluchte dabei vor mich hin. Es konnte mich eh niemand hören und selbst wenn, wäre es mir völlig egal gewesen. Ich holte mein Gepäck und den Schlafsack aus dem Auto. Noch einmal ginge ich heute nicht in diese kalte Dunkelheit hinaus. 

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