Allgemein

20. Dezember 2020

Crys Tale of the Moon: Werwölfe – Teil 20

Als ich Ben kennenlernte, spürte ich sofort, dass er anders war. Ich war 18, hatte vor 10 Monaten meine Mutter verloren und irgendwo zwischen Makawees Kräuterbeutelchen, Tees, Salben, Tinkturen und Elixieren auch mich selbst. Die Vampire tyrannisierten die Menschen bereits seit sechs Jahren und das Leben lief für niemanden in geordneten Bahnen.

Ich half meiner Ziehmutter mit ihren Kunden und Patienten, war aber nie mit dem Herzen dabei. Mir fehlte die zweite Hälfte meines Ichs, ich war rastlos und auf der Suche. Die letzten heiser geflüsterten Worte meiner Mutter waren: „Woher du stammst, bestimmt nicht, wer du bist.“ Da war sie nur noch eine Hülle mit Augen so groß und dunkel wie Wagenräder in einem bleichen abgemagerten Gesicht. Der Krebs hatte ihr alles gestohlen. Ihre Lebensfreude und ihren eisernen Willen. Seit Tagen hatte sie kein Wort gesprochen und dann war es für jegliche Erklärung zu spät. Selbst Makawees Mittelchen zeigten keine Wirkung, andere Medikamente gab es nicht. Ich hielt ihre Hand umklammert, bis sie kalt und starr wurde und Makawee mich mit Gewalt von ihr trennte.

Wir hoben das Grab auf einer Lichtung aus. Dort war es ruhig und ich hoffte, dass meine Mutter nun ihren Frieden gefunden hatte.

Ich kannte meinen Vater nicht, seinen Namen hatte meine Mutter mir nie genannt. So trieb ich in einem riesigen Ozean, ohne zu wissen, aus welcher Richtung ich gekommen war und in welche Richtung ich mich wenden sollte.

Viele Male hatte ich Makawee gebeten, mir den Sinn der letzten Worte meiner Mutter zu erklären oder mir wenigstens den Namen meines Vaters zu verraten, doch sie bestand darauf, beides ebenfalls nicht zu kennen.

Ben hatte mich sofort fasziniert, während Makawee ihn auf Anhieb ablehnte. Ein Unwetter überraschte uns auf dem Markt und setzte unsere Waren unter Wasser. Der schöne Unbekannte half uns alles zu verstauen und unseren Handkarren bis zum Haus am Rand der Siedlung zu ziehen.

Ich lud ihn zum Essen ein und er besuchte uns in der nächsten Zeit immer wieder. Manchmal sprachen Makawee und er Lakota miteinander. Die Gespräche sorgten jedes Mal für eine ungemütliche Atmosphäre, aber niemand erklärte mir, worum es ging. Bis ich es eines Tages schließlich selbst herausfand.

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