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22. Dezember 2020

Crys Tale of the Moon: Werwölfe – Teil 22

Kapitel 7

Ich zog mir ein frisches Shirt an und kämmte mir die Haare. Meine Bewegungen waren fahrig. Zum hundertsten Mal versuchte ich meinen Körper mit Atemübungen zu beruhigen. Ich verstand nicht, warum es mir so schlecht gelang, meine Nervosität zu unterdrücken. Ich hatte bis zum Umfallen mit Ben trainiert. Wölfe reagierten sehr feinfühlig auf die Stimmungen in ihrem Umfeld. Sie waren heißblütige Wesen, die sich von einem schnellen Herzschlag provoziert fühlen konnten. Eine Verwandlung mitten in einem Streit konnte für einen Menschen durchaus tödlich enden.

Natürlich stand es mit meinen Nerven nicht zum Besten, denn es war der letzte Tag, den ich mit Noah verbringen konnte. Auch die Erinnerungen, die ich in der letzten Nacht heraufbeschworen hatte, ließen mich nicht los.

Das erklärte aber noch lange nicht, warum ich die doppelte Menge Essen gekocht oder mich umgezogen hatte.

Ich lauschte auf Stimmen und als Noahs Lachen durchs offene Fenster drang, musste ich mich am Tisch abstützen. Ich zählte mehrmals von 10 rückwärts. Noahs fröhliches Geplapper beruhigte mich zusätzlich und ich konnte die beiden Heimkehrer mit einem alltagstauglichen Lächeln begrüßen. Ich vermied es, Redek in die Augen zu sehen, doch der besorgte Ausdruck auf seinem Gesicht entging mir nicht. Meine Stimme zitterte nur leicht, als ich ihn zum Essen einlud. Ich spürte genau, dass er unschlüssig war. Noah zog ihn jedoch einfach mit zum Tisch.

„Iná, stell dir vor, ich konnte die anderen Wölfe riechen! Und Redek …“ Er sah den Angesprochenen fragend an und erzähle erst weiter, als dieser genickt hatte. „… hat sich vor mir verwandelt! Er musste seine ganzen Sachen ausziehen, weil die sonst zerreißen. Und er ist so groß und ganz schwarz. Welche Farbe habe ich wohl? Denkst du, ich werde auch richtig groß sein?“

Zum Glück erwartete er keine Antwort. Mein Hals war zu trocken und das Essen schmeckte nach nichts. Jede Sekunde dachte ich nur daran, dass dies die letzten Stunden waren, die ich mit meinem Sohn verbringen konnte. Warum nur hatte ich Redek eingeladen? Seine Anwesenheit ließ den Raum schrumpfen und die Luft gelang nur unter Schwierigkeiten in meine Lunge. Mein Körper fühlte sich wie ein Gefängnis an.

Ich betrachtete Noah und musste mit Gewalt die Tränen zurückhalten. Ich wollte unbedingt, dass seine Freude nicht getrübt wurde. Ich würde die ganze Zeit in seiner Nähe bleiben, im Gebiet des Rudels. Nichts und niemand konnte mich hier vertreiben.

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